„Elling“ – Zwischen Irrsinn und Alltag: Eine berührende Komödie über das Menschsein

Was passiert, wenn zwei Männer, die unterschiedlicher kaum sein könnten, nach Jahren im Heim auf die große, freie Welt losgelassen werden? Das Theaterstück „Elling“ erzählt genau diese Geschichte – zart, skurril und zutiefst menschlich.

Basierend auf dem Roman des norwegischen Autors Ingvar Ambjørnsen und bekannt durch den gleichnamigen Film, bringt die Bühne Lübeck mit „Elling“ eine tragikomische Perle auf die Bretter, die das Leben bedeuten.

Zwei Außenseiter, eine Wohnung und ein Haufen Normalität

Elling ist ein hypersensibler Mann mit großer Angst vor der Welt da draußen. Er lebt in seiner eigenen, geordneten Gedankenwelt – bis er mit dem impulsiven, sexbesessenen, aber herzensguten Kjell Bjarne zusammen in eine betreute WG in Oslo zieht. Die Mission: „Leben lernen“. Klingt einfach – ist es aber nicht.

Was für andere banal ist – einen Anruf tätigen, einkaufen gehen, mit Menschen sprechen – wird für Elling und Kjell zur Mutprobe. Doch zwischen Misstrauen und Milchreis entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft. Und plötzlich ist da: Hoffnung. Und vielleicht sogar ein bisschen Poesie.

Komik mit Tiefgang – eine Gratwanderung

„Elling“ ist kein Klamauk – obwohl das Publikum viel zu lachen hat. Es ist feiner Humor, der aus dem Menschlichen kommt: aus Ängsten, Sehnsüchten, Macken. Das Stück spielt mit unserer Vorstellung von Normalität. Wer ist hier eigentlich verrückt – die zwei Außenseiter oder die Welt, in die sie zurückkehren?

Die Bühne schafft es, diese Gratwanderung zwischen Witz und Melancholie mit großer Sensibilität zu gehen. Man lacht – und wird im nächsten Moment still, weil man merkt: Das hätte ich sein können.

Schauspielkunst auf den Punkt

Die beiden Hauptdarsteller Torsten Bannow und Waldemar Peters tragen das Stück mit beeindruckender Präsenz. Die Darstellung Ellings mit seiner übervorsichtigen Körpersprache, seinen inneren Monologen und seinem poetischen Blick auf das Leben ist ebenso berührend wie komisch.

Die Hauptrollen in der Adaption des ‚Schelmenromans‘ ELLING‘ von Ingvar Ambjørnsen spielen Torsten Bannow (Elling) und Waldemar Peters (Kai-Uwe). Sylvia Kiel spielt die schwangere Nachbarin Heidrun. Nicole Büll gibt Gunda, die Stationsschwester und die Kellnerin. Die Figur des Sozialarbeiters Frank Asleff spielt Gerd-Fabian Müller. Das Bühnenbild schafft Moritz Schmidt, die Kostüme besorgt Christa Walczyk, die Maske übernimmt Antje Oehlke Die Regie übernimmt Wolfgang Benninghoven, prof. Regisseur und Schauspieler, Gründer des Theater Combinale in Lübeck, seit 2003 in 15 Stücken als Regisseur der Niederdeutschen Bühne Lübeck tätig.

Fazit: Ein leiser Aufschrei für mehr Menschlichkeit

„Elling“ ist ein Geschenk für alle, die Theater nicht nur sehen, sondern spüren wollen. Es ist ein Stück über Freundschaft, über das Überleben im Alltag – und über die Hoffnung, dass auch die Schrulligsten unter uns einen Platz in dieser Welt finden. Ein Theaterabend, der lange nachhallt. Und vielleicht mit der Erkenntnis endet: Normal ist keine Auszeichnung.

Nicht verpassen!
Das Stück „Elling“ läuft aktuell an der Niederdeutschen Bühne Lübeck / Theater Lübeck. Karten gibt es online oder an der Abendkasse. Wer das Leben in seiner schrägsten und schönsten Form erleben will, sollte sich diesen Abend nicht entgehen lassen.

Die Akteure:

 

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